Sand, Kies, Holzschnitzel, Rindenmulch oder Fallschutzplatten? Die Frage stellt sich bei jedem neuen Spielplatz, jeder Calisthenics-Anlage und spätestens dann, wenn der alte Fallschutz ausgespielt ist. Die richtige Wahl hängt von drei Dingen ab: der freien Fallhöhe der Geräte, dem Pflegeaufwand, den der Betreiber leisten kann, und davon, wer die Anlage nutzt. Hier der Vergleich aus der Prüfpraxis.
Erst die Fallhöhe, dann das Material
Bis zu einer freien Fallhöhe von 0,6 m verlangt die Norm in der Regel keinen stoßdämpfenden Boden. Darüber hängt alles an der Fallhöhe: Je höher, desto mehr Dämpfung braucht es. Ausnahmen gibt es bei Geräten mit erzwungener Bewegung wie Schaukeln, Karussells oder Seilbahnen – hier gelten auch unterhalb von 0,6 m besondere Anforderungen. Wie die Fallhöhe richtig gemessen wird, steht im Artikel Fallschutz richtig prüfen.
Die Materialien im Überblick
Übliche Werte nach DIN EN 1176-1 für Spielplätze. Für Outdoor-Fitnessgeräte gelten nach DIN EN 16630 vergleichbare Anforderungen – Details stehen in der jeweiligen Norm.
| Material | Körnung | Schichtdicke | bis Fallhöhe |
|---|---|---|---|
| Beton, Pflaster, Asphalt | – | – | 0,6 m |
| Rasen / Oberboden | – | – | 1,0 m* |
| Rindenmulch | 20–80 mm | 200 mm / 300 mm | 2,0 m / 3,0 m |
| Holzschnitzel | 5–30 mm | 200 mm / 300 mm | 2,0 m / 3,0 m |
| Sand | 0,2–2 mm | 200 mm / 300 mm | 2,0 m / 3,0 m |
| Kies | 2–8 mm | 200 mm / 300 mm | 2,0 m / 3,0 m |
| Fallschutzplatten, fugenlose Beläge | – | nach Prüfzeugnis | kritische Fallhöhe laut Prüfung nach DIN EN 1177 |
* Für Rasen werden in der Praxis teils bis 1,5 m angesetzt – maßgeblich ist die gültige Normausgabe.
Wichtig: Bei losen Schüttungen kommen beim Einbau rund 100 mm Zuschlag dazu, weil Kinder das Material wegspielen und es sich setzt. Wer 300 mm braucht, baut also 400 mm ein. Geprüft wird später an der dünnsten Stelle.
Vor- und Nachteile aus der Praxis
| Material | Vorteile | Nachteile | Pflege | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Holzschnitzel | gute Dämpfung, natürlich, angenehm für Fitnessgeräte, wenig Staub | verrottet, Feinanteil steigt, nach Jahren Austausch nötig | mittel: auflockern, nachfüllen | € |
| Rindenmulch | günstig, natürlich | verrottet schneller als Holzschnitzel, wird bei Nässe matschig, Gartenmarkt-Ware oft falsche Körnung | hoch | € |
| Sand | Spielwert, lange haltbar, gute Dämpfung bei richtiger Körnung | verdichtet bei Nässe und Frost, Fremdkörper (Glas, Kot), wird verschleppt | hoch: lockern, sieben, reinigen | € |
| Kies | verrottet nicht, lässt Wasser durch, wenig Unkraut | Steine werden geworfen, ungeeignet unter Geräten mit festem Stand, schwer für Rollstuhl und Kinderwagen | mittel: verteilen, nachfüllen | €–€€ |
| Fallschutzplatten | wenig Pflege, sauber, gut begehbar, teils barrierefrei | teurer, Fugen und Kanten werden zu Stolperstellen, verhärten mit den Jahren | niedrig: Fugen, Kanten, Befestigung prüfen | €€€ |
| Fugenloser Kunststoffbelag | barrierefrei, sauber, langlebig, gestaltbar | höchste Kosten, Unterbau nötig, Dämpfung lässt mit der Zeit nach | niedrig, aber HIC-Messung in Abständen sinnvoll | €€€€ |
| Rasen | günstig, schön, kein Einkauf | nur bei geringer Fallhöhe, wird unter Geräten schnell zu festem Boden | mittel: Kahlstellen nachsäen | € |
Welches Material für welche Anlage?
- Kleinkinderbereich: Sand – Spielwert gehört dazu. Wichtig ist eine regelmäßige Reinigung.
- Klettergeräte und Türme bis 3 m: Holzschnitzel oder Sand, ausreichend dick und mit Zuschlag.
- Schaukeln: Lose Schüttungen werden unter der Schaukel schnell weggespielt. Hier lohnen sich Fallschutzplatten im Aufprallbereich oder eine sehr regelmäßige Kontrolle mit Nachfüllen.
- Calisthenics- und Fitnessanlagen: Holzschnitzel oder Fallschutzplatten. Kies ist ungeeignet, wo ein fester Stand nötig ist.
- Barrierefreie und inklusive Bereiche: fugenlose Beläge oder Platten – lose Schüttungen sind mit Rollstuhl kaum befahrbar.
- Wenig Personal für Pflege: Platten oder fugenlose Beläge, auch wenn der Einbau teurer ist. Über die Jahre sind sie oft günstiger als ständiges Nachfüllen.
Die häufigsten Fehler bei der Auswahl
- Material aus dem Gartenmarkt: Rindenmulch und Spielsand ohne Angabe zur Körnung erfüllen die Anforderungen oft nicht. Beim Kauf auf Fallschutzqualität und Körnung achten.
- Kein Zuschlag beim Einbau: Nach wenigen Monaten fehlt die Mindestdicke unter der Schaukel und am Rutschenauslauf.
- Fallraum zu klein: Der Fallschutz muss den ganzen Aufprallbereich abdecken, nicht nur die Fläche direkt unter dem Gerät.
- Platten ohne Prüfzeugnis: Bei Kunststoffbelägen bestimmt das Prüfzeugnis nach DIN EN 1177, bis zu welcher Fallhöhe sie geeignet sind. Ohne Zeugnis ist die Eignung offen.
- Pflege nicht eingeplant: Der günstigste Fallschutz beim Einbau ist oft der teuerste im Unterhalt.
In OUTCHECK: Fallhöhe, Bodenart und gemessene Schichtdicke werden je Gerät als Zahl erfasst. Liegt die Schichtdicke unter dem Mindestwert, schlägt die App den passenden Mangel vor – und der Fallschutz-Rechner im Prüfwissen zeigt, welche Bodenart bis zu welcher Fallhöhe passt. Funktionen ansehen
Praxisüberblick in eigenen Worten. Grenzwerte und Ausnahmen im Einzelfall der gültigen Ausgabe von DIN EN 1176-1, DIN EN 1177 und DIN EN 16630 sowie den Herstellerangaben entnehmen.



